Vier Ärztinnen und Psychologinnen aus Kasachstan zu Gast in Kassel

Fachkräfte hospitieren in Drogenhilfe-Einrichtungen

Austausch seit sieben Jahren

Sie werden auch als „mitgenommene Generation“ bezeichnet: die Kinder der Spätaussiedler, die in der 1980 er und 1990er Jahren vor allem aus Kasachstan nach Deutschland kamen. Etliche von ihnen hatten große Schwierigkeiten, sich in der neuen Gesellschaft mit anderen Werten und Normen zurechtzufinden. Auf die unlösbar scheinenden Probleme antworteten manche der jungen Menschen zum Teil auch mit Jugendkriminalität und Drogenmissbrauch.

Suchterkrankten Spätaussiedler waren lange Zeit auffallend stark in Einrichtungen der Drogenhilfe Nordhessen e. V. (DN) vertreten. Aus diesem Grund pflegt die DN auf Initiative von DN-Mitarbeiterin Anja Keding seit sieben Jahren einen Austausch von Fachkräften mit entsprechenden Einrichtungen in der noch jungen Republik an der Grenze zwischen Osteuropa und Zentralasien.

Auch das 14 Millionen Einwohner zählende Land hat mit Jugendkriminalität und Drogensucht zu kämpfen. Offiziell ist die Rede von mehr als 47.000 Drogenabhängigen. Doch UNICEF geht davon aus, dass – gemessen an der Gesamtzahl von vier Millionen Jugendlichen – jeder 16. Jugendliche in Kasachstan ein Drogenproblem hat. Wie in Deutschland liegt das Einstiegsalter bei 11 bis 14 Jahren, beginnend mit Alkohol, gefolgt von Cannabisprodukten und Heroin. Und wie hierzulande gelten Neugier, Gruppendruck und Langeweile als Auslöser für den Erstkonsum.

Unterstützt mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend besuchen vom 24. Mai bis 7. Juni 2008 vier Ärztinnen und Psychologinnen aus der kasachischen Hauptstadt Astana sowie aus Karagandar die Drogenhilfe Nordhessen. Während der 14 Tage werden sie sich über Konzeptionen und Arbeitsweisen in Prävention und Therapie informieren. Neu ist, dass die Gäste fünf Tage in verschiedenen Einrichtungen der DN und des Blaukreuz Zentrums hospitieren werden. Unter anderem stehen auch Besuche der Aidshilfe Kassel, der Klink für Psychiatrie und Psychotherapie in Merxhausen und der Therapieeinrichtung für Kinder „Kleiner Bärenberg“ auf dem Programm.

Hinweis für Journalisten:
Gerne vermitteln wir Ihnen ein Gespräch mit unserer Gästen.

Weitere Informationen zum Fachkräfte-Austausch
Anja Keding, Eltern-Kind-Nachsorge Regenbogen,
Töniesweg 26, 34127 Kassel
Telefon: (0561) 89 71 78, Fax: (0561) 8 90 72 79
E-Mail: Drogenhilfe-Regenbogen@t-online.de