Sieben Schlafplätze gegen die Kälte

Notschlafstelle der Drogenhilfe öffnet bis Mitte März

Pressemitteilung vom 6. 12. 2007

Ausruhen vom „Szene-Stress“. Wunden verbinden lassen. Spritzen tauschen. Mal duschen – und günstig essen: All das und noch einiges mehr bietet das „Café Nautilus“ in Kassel. Anlaufstelle für Abhängige illegaler Drogen, die durch andere Angebote der Drogenhilfe noch nicht erreicht wurden, will der Kontaktladen sein. In einem Nebengebäude des „Café Nautilus“ hat jetzt wieder die Notschlafstelle geöffnet.

„Menschen vor dem Erfrierungstod zu bewahren – darum geht es in erster Linie“, sagt Christian Becker. Der Mitarbeiter des Café Nautilus, das die Drogenhilfe Nordhessen e.V. im Rahmen eines Bundesmodellprojekts 1989 gegründet hat, organisiert die Notschlafstelle für wohnungslose Drogen-abhängige. Sieben Betten in drei Zimmern eines Nebengebäudes des Nautilus in der Erzbergerstraße 45 stehen in den Wintermonaten von 15. November bis 15. März zur Verfügung. „Es gibt zahlreiche Wohnungslose unter den rund 2000 Menschen, die in Kassel von harten Drogen wie etwa Heroin abhängig sind“, sagt Christian Becker. Ähnlich wie Alkoholkranken fehle ihnen die Sensibilität für Kälte, schwere Unterkühlungen könnten die Folge sein.

Dass die Notschlafstelle nunmehr zum elften Mal öffnen kann, ist der Stadt Kassel zu verdanken, die das Projekt seit 1996/97 finanziell unterstützt; in diesem Jahr mit insgesamt 27.750 Euro. „Wir brauchen die Notschlafstelle für Drogenabhängige und sind von der qualitätsvollen Arbeit der Drogen-hilfe Nordhessen e. V. überzeugt“, sagt Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel.

Im vergangenen Jahr nutzten 45 Personen das Angebot. „Wer in der Not-schlafstelle übernachten möchte, sollte in der Stadt Kassel gemeldet sein und derzeit keine Wohnung und keine Übernachtungsmöglichkeit haben“, erklärt Becker. Interessierte müssen sich zu den Öffnungszeiten des Café Nautilus auf einer Liste für die Übernachtung am Abend vormerken lassen.

Die Aufnahme erfolgt jeden Abend zwischen 20.00 und 22.00 Uhr. Ein Mit-arbeiter der Notschlafstelle steht den Klienten bei eventuellen Fragen und Schwierigkeiten zur Seite – und übernachtet auch vor Ort. Geweckt wer-den die Klienten wochentags um 8 Uhr, am Wochenende um 9 Uhr. Sie können duschen, Wäsche waschen und frühstücken. Tagsüber müssen sie die Notschlafstelle verlassen. „Manche kommen nur für eine Nacht, ande-re bleiben länger“, so Becker. Zwar gehe es zunächst um Überlebenssiche-rung, doch in der Notschlafstelle auch werde versucht, ein Vertrauensver-hältnis zu den Klienten aufzubauen, das die Vermittlung in weitere Hilfen ermöglicht.

Auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Café Nautilus geht es zu-nächst darum, Kontakt zu Suchtkranken aufzubauen und allgemeine Hil-fen anzubieten, um ihre Verelendung aufzuhalten und menschwürdigere Lebensbedingungen zu schaffen. Über Angebote wie Kondomvergabe, ärztliche Sprechstunden oder Sozialberatung wird versucht, eine Brücke zu bauen zu anderen Hilfen.

Viele solcher maßgeschneiderten Hilfen – von Fachambulanzen und einer Fachklinik bis zur Betreuten Wohngemeinschaft – bietet die Drogenhilfe Nordhessen e.V.: Seit ihrer Gründung im Jahr 1982 hat der gemeinnützige Verein ein differenziertes Netz maßgeschneiderter Hilfen entwickelt. Bera-tung und Unterstützung, Betreuung, Therapie und Nachsorge, aber auch Prävention gibt es für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – in 30 Projek-ten und an 20 Standorten.

Weitere Informationen:

Notschlafstelle
Christian Becker
Erzbergerstraße 45
34117 Kassel

Telefon: (0561) 1 21 15
Fax: (0561) 7 66 02 39
E-Mail: drogenhilfe-nautilus@t-online.de

Geschäftsstelle Drogenhilfe Nordhessen e.V.
Angela Waldschmidt (stellvertretende Geschäftsführerin)
Schillerstraße 2
34117 Kassel

Telefon: (0561) 7 39 50 39
Telefax: (0561) 7 39 50 30
E-Mail: info@drogenhilfe.com