„… die wertvolle Arbeit unterstützen“ - Auszubildende der EKK sammeln 2.000 Euro für Drogenhilfe

• Geld kommt Schulausbildung der Klienten zugute

• hessenweit einmaliges Projekt ermöglicht qualifizierten Schulabschuss

• Scheckübergabe in der Fachklinik Böddiger Berg

Kassel/Böddiger, 27.1.2012. Junge Erwachsene können während der stationären Behandlung in der Fachklinik Böddiger Berg der Drogenhilfe Nordhessen einen qualifizierten Schulabschluss erwerben. Zugunsten dieses hessenweit einmaligen Projekts haben Auszubildende der Evangelischen Kreditgenossenschaft eG (EKK) bei einem Mitarbeiterfest eine Tombola organisiert. Der Vorstand der EKK hat den durch den Losverkauf erzielten Erlös auf 2.000 Euro aufgestockt – und den entsprechenden Scheck jetzt in der Fachklinik in Böddiger (Schwalm-Eder-Kreis) übergeben. „Wir freuen uns sehr über die Spende für unsere interne Beschulung“, sagte DN-Geschäftsführer Ralf Bartholmai.

Das Projekt, das aus Mitteln der Drogenhilfe finanziert wird, hat seit seinem Start vor zwölf Jahren mehr als 140 jungen Menschen ermöglicht, den Haupt- und Realschulabschluss zu erwerben – und das mit nachhaltigem Erfolg: „Insgesamt hat sich die Behandlungsprognose bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der internen Beschulung deutlich verbessert, die Abbruchquote hat sich überdurchschnittlich verringert“, so Bartholmai (siehe Hintergrund „Interne Beschulung Fachklinik Böddiger Berg“). „Viele der Prüflinge haben Lust auf mehr bekommen und bemühen sich in der Phase des Therapieabschlusses um weitergehende Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten“, so Bartholmai.

„Als Kirchenbank steht die EKK in besonderer Verantwortung, sozial-ethische Einrichtungen und Projekte zu fördern und mitzutragen. Mit unserer Spende wollen wir die wertvolle Arbeit der Drogenhilfe Nordhessen e.V. unterstützen, die durch ihr tägliches Engagement dazu beiträgt, nachhaltige Werte zu schaffen. Durch diese Art von Spenden wollen wir unseren Mitgliedern und Kunden helfen, ihre jeweiligen Aufträge und Ziele zu verwirklichen“, erläutert Thomas Katzenmayer, Vorstandssprecher der EKK, die Motivation der Bank.

Hinweis für Medienvertreter:

Weitere Informationen erhalten Sie bei den Geschäftsführern der Drogenhilfe Nordhessen e. V., Angela Waldschmidt und Ralf Bartholmai, Tel.: 0561 – 7 39 50 39.

Drogenhilfe Nordhessen e. V.

Die Drogenhilfe Nordhessen (DN) bietet individuelle Beratung, Betreuung und Unterstützung, Therapie und Nachsorge, aber auch vielfältige Präventionsangebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien in 30 Projekten an 20 Standorten. Seit ihrer Gründung im Jahr 1982 hat sich die DN zu einem modernen sozialen Dienstleister entwickelt und ein differenziertes Netz von Hilfen geknüpft. Um dieses Netz erhalten zu können, ist die DN auch auf Spenden angewiesen.

Evangelische Kreditgenossenschaft eG

Die 1969 auf Initiative der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gegründete Evangelische Kreditgenossenschaft eG (EKK) ist eine von drei deutschen evangelischen Kirchenbanken. Institutionelle Mitglieder der genossenschaftlich organisierten EKK sind vor allem Non-Profit-Organisationen. Die EKK mit Sitz in Kassel ist bundesweit aktiv: Mehr als 300 Mitarbeitende in zwölf Filialen betreuen mehr als 1.100 institutionelle Mitglieder bzw. rund 70.000 institutionelle und private Kunden. Die Bilanzsumme beträgt rund 4,1 Milliarden Euro.
2011 wurde die EKK als erste Kirchen- und Genossenschaftsbank mit dem anspruchsvollsten europäischen Nachhaltigkeitsstandard EMASplus ausgezeichnet. EMASplus (EMAS = Eco-Management and Audit Scheme) ist ein integriertes, ganzheitliches Managementsystem, das die ökonomischen, ökologischen und sozial-ethischen Wirkungen eines Unternehmens systematisch optimiert.

Hintergrund: Interne Beschulung Fachklinik Böddiger Berg

Erfolgreicher Schulunterricht während der stationären Therapie in der Fachklink Böddiger Berg – Viele der Prüflinge bekommen „Lust auf mehr“

Mehr als 140 junge Menschen haben in den vergangenen zwölf Jahren in der Fachklinik/Stationären Jugendhilfe Böddiger Berg den externen Haupt- und Realschulabschluss absolviert. Die Bildungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene, Migranten und alleinerziehende Mütter gibt es seit dem Jahr 2000 – und sie sind hessenweit bislang in dieser Form einmalig.

Zielgruppe:

Mit der von der Drogenhilfe Nordhessen e. V. entwickelten und durch das Land Hessen geförderten Konzeption ist es erstmals in Hessen möglich geworden, dass junge Erwachsene, Migranten, Schwangere und Mütter mit Kindern während der stationären Behandlung ihrer Suchterkrankung einen qualifizierten Schulabschluss nachholen können.

Umsetzung:

Mit der so genannten internen Beschulung können die Klienten auf den Besuch der Regelschule vorbereitet werden oder sie können den externen Haupt- und Realschulabschluss während der medizinischen Rehabilitation oder einer stationären Jugendhilfemaßnahme absolvieren.

Die Ziele sind:

• Lernfähigkeit und Leistungsbereitschaft (wieder) herzustellen
• schulische Defizite aufzuarbeiten und zu beheben (durch Einzel- und Gruppenunterricht in der Einrichtung)
• Fach-, Methoden- und Selbstkompetenzen zu vermitteln
• den Schulalltag zu strukturieren und Ausdauer, Regelmäßigkeit aber auch Werte wie Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiß zu vermitteln
• einen qualifizierten Schulabschlusses zu ermöglichen

Erfahrungen:

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass alle „Schüler“ die Doppelbelastung von Schule und Rehabilitation konstruktiv gelöst haben. Nahezu alle Teilnehmer der externen Prüfungen haben ihren Schulabschluss erreicht. Die interne Beschulung wird aktuell aus Mitteln der Drogenhilfe Nordhessen weitergeführt und hat in den vergangenen Jahren zu folgender Verteilung qualifizierter Bildungsabschlüsse in unserer Fachklinik geführt:

Hauptschulabschlüsse gesamt: 45%
Realschulabschlüsse gesamt: 55%

Viele der Prüflinge haben Lust auf „mehr“ bekommen und bemühen sich in der Phase des Therapieabschlusses um weitergehende Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.
Insgesamt hat sich die Behandlungsprognose bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der internen Beschulung deutlich verbessert, die Abbruchquote hat sich überdurchschnittlich verringert. Das Projekt wurde 2009 mit dem 2. Preis „Weiterbildung Innovativ“ der Weiterbildung Hessen e.V. ausgezeichnet und in den Jahren 2008-2009 durch das Bundesgesundheitsministerium evaluiert.

Aus der besonderen Situation der Klientinnen und Klienten ergeben sich Konsequenzen für alle schulpädagogischen Maßnahmen – selbstverständlich auch für den gesamten Unterricht. Dies bedeutet beispielsweise, dass die Unterrichtsstundenzahl an die Leistungsfähigkeit der Klienten angepasst werden muss. Für die Unterrichtspraxis heißt das, dass die Unterrichtsstundenzahl variabel zu handhaben ist, um die Schülerinnen und Schüler zwar zu fördern, sie aber nicht zu überfordern mit dem Risiko eines Rückfalls in frühere Suchtverhaltensweisen.

Die Organisation des Unterrichts orientiert sich am „Fahrschulsystem“; damit ist gemeint, dass fortlaufend in festen Intervallen von drei Monaten der Prüfungsstoff behandelt und vermittelt wird. Spät- und Quereinsteiger erhalten dadurch die Möglichkeit, alsbald den Anschluss herzustellen; Lernschwächere werden durch die Wiederholung des Stoffes optimal auf die Prüfungen vorbereitet. Mit der Straffung des Unterrichts und der Bildung von Lerngruppen außerhalb der direkten Unterrichtszeit lässt sich nach unserer Erfahrung eine Vorbereitung der Prüflinge, je nach individuellem Bildungsstand, in sieben bis neun Monaten bewerkstelligen.

Die Lehrkräfte sind wesentlich in das pädagogisch-therapeutische Gesamtgeschehen der Einrichtung eingebunden. Diagnostische Feststellungen werden bei der Entwicklung individueller Bildungsziele berücksichtigt. Der Austausch über das aktuelle Geschehen in den Therapie- und Schulgruppen wird zur wesentlichen pädagogischen Basis, da Krisen immer zeitnah ganzheitlicher Betrachtung eines interdiziplinären Teams unterliegen. Die Formulierung der Betreuungsziele erfolgt im Gesamtteam von Lehrern, Pädagogen und Therapeuten.

Weitere Informationen:

Drogenhilfe Nordhessen e.V.
Fachklinik Böddiger Berg
Ralf Bartholmai
Geschäftsführer
34587 Felsberg
Email:Ralf.Bartholmai@drogenhilfe.com