Sieben Schlafplätze gegen die Kälte

Die Notschlafstelle der Drogenhilfe Nordhessen e. V. kann dank der großzügigen Geldspende eines Kasseler Bürgers in Höhe von 5000 Euro bis Ende März und damit einen Monat länger als geplant geöffnet bleiben.

„Menschen vor dem Erfrierungstod zu bewahren – darum geht es in erster Linie“, sagt Christian Becker. Der Mitarbeiter des Café Nautilus, das die Drogenhilfe Nordhessen e.V. im Rahmen eines Bundesmodellprojekts 1989 gegründet hat, organisiert die Notschlafstelle für wohnungslose Drogenabhängige. Sieben Betten in drei Zimmern eines Nebengebäudes des Nautilus in der Erzbergerstraße 45 stehen in den Wintermonaten zur Verfügung. „Es gibt zahlreiche Wohnungslose unter den rund 2000 Menschen, die in Kassel von harten Drogen wie etwa Heroin abhängig sind“, sagt Christian Becker. Ähnlich wie Alkoholkranken fehle ihnen die Sensibilität für Kälte, schwere Unterkühlungen könnten die Folge sein.

Dass die Notschlafstelle nunmehr zum zwölften Mal öffnen kann, ist der Stadt Kassel zu verdanken, die das Projekt seit dem Winter 1996/97 finanziell unterstützt. Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel macht deutlich, „dass die Einrichtung der Notschafstelle für Drogenabhängige in der Stadt Kassel notwendig sei, damit Menschen bei der kalten Witterung ein Dach über dem Kopf haben.
In dieser Saison konnten insgesamt 27.250,-- Euro zu Verfügung gestellt werden. Diese Summe hätte für einen Betrieb von Anfang Dezember bis Mitte März gereicht. Doch dann hatte die Drogenhilfe wegen der kalten Witterung die Notschlagstelle bereits in der letzten Novemberwoche geöffnet. „Dank der größzügigen Spende eines Kasseler Bürgers ist der Betrieb nun bis Ende März gesichert“, sagt die Geschäftsführerin der Drogenhilfe Nordhessen e. V. Angela Waldschmidt, „wir gehen davon aus, dass sogar noch Geld übrig bleibt, das wir dann in der kommenden Saison für eine längere Öffnung der Notschlafstelle einsetzen werden“.

Im vergangenen Jahr nutzten 40 Personen das Angebot. „Wer in der Notschlafstelle übernachten möchte, sollte in der Stadt Kassel gemeldet sein und derzeit keine Wohnung und keine Übernachtungsmöglichkeit haben“, erklärt Becker. Interessierte müssen sich zu den Öffnungszeiten des Café Nautilus auf einer Liste für die Übernachtung am Abend vormerken lassen. Die Aufnahme erfolgt jeden Abend zwischen 20.00 und 22.00 Uhr. Ein Mitarbeiter der Notschlafstelle steht den Klienten bei eventuellen Fragen und Schwierigkeiten zur Seite – und übernachtet auch vor Ort. Geweckt werden die Klienten wochentags um 8 Uhr, am Wochenende um 9 Uhr. Sie können duschen, Wäsche waschen und frühstücken. Tagsüber müssen sie die Notschlafstelle verlassen. „Manche kommen nur für eine Nacht, andere bleiben länger“, so Becker. Zwar gehe es zunächst um Überlebenssicherung, doch in der Notschlafstelle auch werde versucht, ein Vertrauensverhältnis zu den Klienten aufzubauen, das die Vermittlung in weitere Hilfen ermöglicht.

Auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Café Nautilus geht es zunächst darum, Kontakt zu Suchtkranken aufzubauen und allgemeine Hilfen anzubieten, um ihre Verelendung aufzuhalten und menschwürdigere Lebensbedingungen zu schaffen. Das „Nautilus“ versteht sich als Anlaufstelle für Abhängige illegaler Drogen, die über andere Angebote der Drogenhilfe nicht mehr erreicht werden. Über Angebote wie Kondomvergabe, ärztliche Sprechstunden oder Sozialberatung wird versucht, eine Brücke zu bauen zu anderen Hilfen.

Weitere Informationen:

Notschlafstelle
Christian Becker
Erzbergerstraße 45
34117 Kassel
Telefon: (0561) 1 21 15
Fax: (0561) 7 66 02 39
E-Mail: nautilus@drogenhilfe.com

Drogenhilfe Nordhessen e.V.
Geschäftsführung
Angela Waldschmidt
Glockenbruchweg 80
34134 Kassel

Telefon: (0561) 7 39 50 39
Fax: (0561) 7 39 50 30
E-Mail: angela.waldschmidt@drogenhilfe.com

www.drogenhilfe.com