Kinderschutz in Nord- und Osthessen

DN startet „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“

Mit Unterstützung des Landes Hessen und den Landkreisen Kassel, Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner und Schwalm-Eder hat die Drogenhilfe Nordhessen e. V. den gemeinsamen Projektantrag „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ entworfen.

Zielgruppen sind Familien mit Kindern, Schwangere und Kinder, deren Lebenssituation durch hohe Belastungen und schwerwiegende Risiken (Gewalt, Sucht, Delinquenz, Missbrauch, Vernachlässigung und Misshandlung) das Kindeswohl gefährdet.

Mit den an diesem Projekt beteiligten Kreisen besteht Einigkeit darüber, in der Region die Leistungen des Gesundheitswesens, der Suchthilfe, der Kinder- und Jugendhilfe sowie zivilgesellschaftliches Engagement besser miteinander zu verzahnen.

Ziel des Projektes ist ein verbesserter Kinderschutz, eine spezielle Prävention, verbesserte hilfesystemübergreifende Information, gesellschaftliche Aufklärung und die Effektivierung von Interventionen zum Schutz der betroffenen Kinder durch die Entwicklung vernetzter Hilfeformen.

Durch die Entwicklung eines Regionen übergreifenden Konzeptes ist ein umfassender Wissenstransfer möglich. Alle beteiligten Kreise können die erarbeiteten Methoden und Konzepte am spezifischen Bedarf orientiert nutzen. Das Potenzial der Fachkräfte und die zur Verfügung stehenden Hilfesysteme können so durch eine geänderte Hilfearchitektur zu neuen Erkenntnissen und Interventionsformen gelangen, ohne ein gänzlich neues Hilfesystem etablieren zu müssen.

Bislang werden Betreuung und Behandlung von Hilfebedürftigen in Ketten organisiert (s. g. Behandlungskette). In den Hilfebiografien sind häufig sehr umfängliche Maßnahmen durchlaufen worden, ohne dass es zu den gewünschten nachhaltigen Verbesserungen der Lebensumstände kam.

Bei Familien und Kindern mit komplexem Hilfebedarf/hoher Gefährdung muss die spezifische Hilfe in zeitlich parallelen Sequenzen erfolgen. Das heißt: Alle Betroffenen im familiären System erhalten koordiniert notwendige Hilfen der Jugendhilfe, der Suchthilfe, des Gesundheitswesens im gleichen Zeitraum.

In diesen Familien leben Täter und Opfer zusammen, teilen eine Lebensrealität. Gewalt, Sucht, Verelendung, Misshandlung, Missbrauch, Delinquenz und psychische Störungen dominieren das Zusammenleben von Eltern und Kinder.

In den Biografien von sozial verelendeten, delinquenten, psychisch kranken und süchtigen Menschen sind häufig ähnliche Bedingungen in den Herkunftsfamilien zu rekonstruieren. D. h., dass die frühen Lebensbedingungen nachhaltig den späteren Lebensablauf beeinflussen und bestimmen.

Ein sinnvoller und nachhaltiger Betreuungs- und Behandlungsansatz muss somit alle betroffenen Menschen des familiären Systems berücksichtigen.

Zeitgleich bemühen sich mehrere Professionelle mit spezifischer Kompetenz in einem integrierten Ansatz um die gesamte Familie.

Mit der Kombination und Vernetzung von vorhandenen Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten und der damit verbundenen multiprofessionellen Sichtweise lassen sich Hilfeformen entwickeln, die den besonderen komplexen Problemstellungen dieser Familien gerecht werden.

Ralf Bartholmai