„Perspektivwechsel“

Bis zum 24. Oktober 2025 war die Fotoausstellung "Perspektivwechsel – Fotografien aus der Perspektive von Menschen aus der Kasseler Drogenszene" in der mimikri Galerie unweit des Café Nautilus an sechs Tage für zwei jeweils Stunden zu sehen und wurde von mehr als 120 Menschen besucht. Damit war es die bisher bestbesuchte Ausstellung dort.

Allein zur Vernissage am Freitag, dem 17. Oktober, wurden mehr als 70 Besuchende gezählt. Im Bild ist Timo Eichel von der Straßenarbeit der Drogenhilfe Nordhessen bei der Eröffnungsrede zu sehen. Darunter befinden sich die Begleitinformationen zur Ausstellung.

 

„Perspektivwechsel – Fotografien aus der Perspektive Kasseler Drogengebrauchenden"

Das Foto kommt wie ein Stillleben in der Manier der Alten Meister daher: Gegenstände des täglichen Gebrauchs werden bewusst präsentiert und herausgestellt. Statt kunstvoll in Szene gesetzter Obstkörbe und drapierter Samtvorhänge zeigt die Abbildung eine weiße Kunststofftischplatte, auf der sich – arrangiert mit einigen Topfpflanzen, die darauf platziert sind – Dinge befinden, die den Alltag des Fotografierenden zu begleiten, vielleicht zu prägen scheinen. Da sind Spirituosengebinde wie die markante Jägermeisterflasche zu sehen, Zigarettenpackungen, ordentlich aneinandergereihte Feuerzeuge sowie Rauch- und Inhalationsutensilien. Der Blick wird auf zwei kleine Schnapsflachen gelenkt, die – scheinbar griffbereit – im Bildmittelpunkt zu sehen sind.

Dieses außergewöhnliche Foto ist nur ein Ergebnis eines Projekts, das die Straßensozialarbeit der Drogenhilfe Nordhessen zusammen mit an Menschen aus der hiesigen Drogenszene auf den Weg gebracht hat: Für eine Ausstellung hatten die Sozialarbeitenden im Vorfeld unter ihrem Hilfesuchenden Einwegkameras verteilt und Handyfotos erbeten. Es gab keine Themenvorgabe. Die Fotografierenden hatten freie Hand. Als Anregung für das Streetwork-Fotoprojekt 2025 gab es lediglich Fragen und Stichpunkte: Fotografier etwas aus deinem Alltag –  Wo hältst du dich gerne auf – Was hat dir heute gefallen?

Die Ergebnisse dieser Innenansicht einer ansonsten randständigen Menschengruppe sind bemerkenswert. Obwohl unsentimental und häufig von sachlichen Motiven geprägt, berühren sie den Betrachtenden. Wie das Fotos, das einen schlafenden, mit einer roten Decke zugedeckten Hund zeigt und auf dem die Beziehung zwischen dem Fotografierenden und dem Fotoobjekt geradezu greifbar ist. 

Eine andere Aufnahme besticht durch ihre optische Ästhetik: Das Schwarz-weiß-Foto mit Schattenspiel zeigt in Großaufnahme einen Tablettenblister mit Medikamenten. Mehr nicht.

Ziel des ungewöhnlichen Projekts ist es, die persönlichen Sichtweisen und den Alltag von Menschen aus der Drogenszene darzustellen. Acht unterschiedliche Menschen, waren bereit ihre eigene Sichtweise darzustellen. Von den eingereichten Bildern wurden 30 ausgewählt und in der Ausstellung präsentiert. Es handelt sich also um Insider-Fotos – aber nicht im reißerischen oder voyeuristischen Sinne. Nur wenige Aufnahmen zeigen Drogen oder den direkten Konsum. Stattdessen sind auch schöne, unspektakuläre Stadtaufnahmen, wie sie in den Fotoalben vieler Kasseler zu sehen sein könnten, ausgestellt.